ASBau priorisiert Präsenz-Lehre

Stellungnahme zum Verhältnis von Präsenz- und Onlinelehre in der Bauingenieurausbildung

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Während der Corona-Pandemie wurde der Lehrbetrieb an Schulen, Hochschulen und Universitäten – gezwungenermaßen – auf die sog. Onlinelehre umgestellt, d. h. phasenweise fand kein Lehrbetrieb in Präsenzform statt. Vor diesem Hintergrund positioniert sich der Akkreditierungsverbund für Studiengänge des Bauwesens (ASBau) e.V. zum Verhältnis von Präsenz- und Onlinelehre im Rahmen der notwendigen Sicherung der Qualität in Bau- und Umweltingenieur-Studiengängen (Bachelor).

Der ASBau stellt fest, dass ein Studium, das grundsätzlich in Präsenz erfolgt, zu deutlich besserem Kompetenzerwerb führt und einen erfolgreicheren Übergang in die berufliche Praxis ermöglicht. Daher spricht sich der ASBau e. V. dafür aus, dass eine fundierte, erfolgversprechende Bauingenieurausbildung grundsätzlich in Präsenz erfolgen soll, damit auf Basis nationaler und internationaler Vorgaben zu Praxisanteilen eine Einhaltung des Ausbildungszielversprechens gegenüber den Studierenden garantiert werden kann. Hybride Lehrangebote in einem methodenoffenen Ansatz sollen dabei unterstützend eingesetzt werden können.

Vor dem Hintergrund der mit der Pandemie einhergehenden Erfahrungen stellte sich, hier in Bezug auf Studiengänge des Bau- und Umweltingenieurwesens, die Frage nach dem Verhältnis und den Auswirkungen von Präsenz- und Onlineformaten in der hochschulischen Lehre.

Der ASBau e.V. hat diese Fragen in seinen Gremien diskutiert und spricht sich grundsätzlich für einen methodenoffenen Ansatz aus. In der Synthese von Präsenz- und Online-Inhalten sieht er gewisse Chancen. Insofern sind hier die Variabilität und Flexibilität zu würdigen, die sich mit Online-Formaten im Vergleich zur reinen Präsenzlehre erhöhen. Dies betrifft sowohl die Hochschulen und Universitäten (z.B. bei besonders didaktisch und visuell aufbereiteten Inhalten oder bei interaktiven Simulationen) als auch die Studierenden, auf deren individuelle Veranlagung zum Lernen flexibel eingegangen werden kann.

Die Vermittlung bestimmter Lerninhalte ist auch in Online-Formaten möglich, sofern adäquate technische Ausstattung und verlässliche Internetverbindung die Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden ermöglichen. Im Zuge fortschreitender Digitalisierung in allen Bereichen und auf allen Ebenen der beruflichen Praxis kann zudem die begleitende Vermittlung fachspezifischer Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien für Studierende zur eigentlichen inhaltlichen Ausbildung hinzutreten. Dies entspricht den Anforderungen, die moderne Arbeitsplätze an Absolvent:innen stellen, und trägt zugleich dem Umstand Rechnung, dass diese durch ihr Knowhow in Sachen Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz häufig Innovationen in Unternehmen und Behörden hineintragen müssen.

Dessen ungeachtet gibt es gewichtige Argumente wie etwa die sinnlichen Aspekte des Kompetenzerwerbs, die zumindest rein im Online-Format durchgeführte Studienangebote im Bereich des Bauingenieurwesens als nicht zielführend erscheinen lassen. Dies rührt daher, dass zur Erlangung eines Gesamtverständnisses im Bauingenieurwesen in der Realität visuelle, haptische und akustische Erfahrungswerte erworben werden sollten (z.B. Erkennen verschiedener Bodenklassen, Umgang mit frischem Beton etc.). Bei reiner Onlinelehre entfallen sowohl sinnliche Wahrnehmungen, die in Präsenzveranstaltungen, in den Laboren der Hochschulen und Universitäten und auf Exkursionen erfahren werden können, als auch gruppendynamische Prozesse im Rahmen des gemeinsamen studentischen Lebens.

Zu berücksichtigen ist des Weiteren, dass Bauingenieur:innen im sozialen Kontext, d. h. vor allem im täglichen Miteinander auf der Baustelle und im Planungsbüro bestehen müssen. Der Erwerb von Querschnittskompetenzen und Soft Skills im Rahmen der Ausbildung ist daher von entscheidender Bedeutung. Vielfach lassen sich diese in ihrer großen Vielfalt nur unter Einschluss von Präsenz-Formaten vermitteln, etwa die Fähigkeit zum interdisziplinären Arbeiten oder zur Moderation konträrer Ansichten. Ebenso zeichnen sich gute Bauingenieur:innen durch Teamfähigkeit, Menschenkenntnis, Reflektionsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Sozialkompetenz aus.

Der Beruf des Bauingenieurs bzw. der Bauingenieurin geht mit einer großen, langfristigen gesellschaftlichen Verantwortung einher, weil erstens mit Wohnbauten ein Grundbedürfnis der Menschen angesprochen wird, zweitens die allermeisten der erzeugten Bauwerke das Stadt- und Landschaftsbild über Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte hinweg prägen und nicht zuletzt drittens das Bauwesen hinsichtlich Klimaschutz und Ressourcenschonung in besonderem Maße gefordert ist. Online-Studiengänge müssten hier dezidiert nachweisen, wie sie die hohen Qualitätsmaßstäbe der Präsenzlehre in diesen Aspekten ebenso erreichen können.

Zusammenfassend spricht sich der ASBau e. V. dafür aus, dass eine fundierte und erfolgversprechende Bauingenieurausbildung in ihren wesentlichen Teilen in Präsenz erfolgen sollte. Eine genauere Festlegung einer Mindestquote von Präsenz- und Onlinelehre erscheint dagegen nicht sinnvoll, dies ist letztlich Sache der hochschulischen Selbstverantwortung. Der ASBau e. V. wird sich in der nächsten Zeit mit der Frage auseinandersetzen, welche relevanten Studieninhalte besonders für ergänzende Online-Formate in Frage kommen, und welche bevorzugt in Präsenz absolviert werden sollten.

https://asbau.org/

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